Kyoto im Winter

Am 30.12.20 bin ich zu einem kurzen Ausflug nach Kyoto aufgebrochen. Man könnte sich jetzt natürlich fragen, warum ich ausgerechnet im Winter nach Kyoto fahre. Frühling oder Herbst sind sicherlich schönere Jahreszeiten, um sich Kyoto anzusehen. Das denken sich leider aber auch viele andere Touristen, speziell aus China, und es ist dann teilweise so viel los, dass man es gar nicht richtig genießen kann.
Da jetzt aufgrund von Corona sowieso keine Touristen da sind dachte ich, das wäre eine gute Gelegenheit, sich Kyoto in aller Ruhe ansehen zu können.

Kyoto war und ist eines der religiösen und kulturellen Zentren von Japan. Die Vielzahl an Tempeln und Schreinen überrascht dann aber doch etwas, da es in und um Kyoto ca. 1400 Tempel und 500 Schreine gibt.

In Japan gibt es 2 große Religionen, den Buddhismus und den Shintoismus und diese stehen auch nicht in Konkurrenz zueinander. In Japan ist das ganz geschickt gelöst, denn die meisten Japaner glauben sowohl an den Buddhismus als auch an den Shintoismus. Für alles, was mit dem Leben zu tun hat (Geburt, Hochzeit,…) geht der Japaner in einen Schrein, um zu beten. In den buddhistischen Tempel gehen die Japaner dann für alle Dinge, die mit dem Tod zu tun haben.

Ich glaube zwar weder an den Buddhismus noch an den Shintoismus, aber ich habe dann doch immer mal wieder ein paar Gebetskerzen angezündet, Glücksbringer gekauft oder einfach nur das übliche 5-Yen-Stück in die Opferschale geworfen. Man weiß ja nie ob es nicht doch hilft. Warum 5 Yen ? Auf japanisch heißen 5 Yen “Go-Yen” und gleichzeitig heißt “go-yen” aber auch Glück, Schicksal….

Aber genug gelabert……

Tag 1 : 30.12.30
Am Morgen bin ich mit dem Shinkansen nach Kyoto gefahren, was total entspannt geht, da der Shinkansen vor Kyoto nur einmal in Nagoya hält. Nach ca. 2h war ich dann am Hauptbahnhof in Kyoto und schon der ist es wert, sich kurz anzuschauen. Denn das Bahnhofsgebäude ist kein 0815-Gebäude, sondern da hat sich ein Künstler etwas ausgetobt.

Schon die riesige Empore (Bild rechts), die vom 4. Stock bis zum 15. Stock geht, ist beeindruckend…

Aber ich bin dann erst einmal zu meinem Guesthouse gegangen, das ich eigentlich nur empfehlen kann. Das Zimmer war zwar klein (aber im traditionellen jap. Stil) und es gab nur eine Gemeinschaftsdusche, aber für nur 30€ am Tag und mit einer super Lage kann man da nicht meckern.

Dann ging es auch schon los. Der erste Tempel auf der Liste war der “To-ji” der quasi um die Ecke war und gleichzeitig einer der ältesten Tempel in Kyoto ist. Da dort leider immer wieder Leute zum Beten hineingekommen sind, konnte ich die sehr beeindruckenden Figuren und Statuen nicht fotografieren. Zum einen ist es nicht erlaubt, zum anderen macht die Kamera die typ. Klick-Geräusche und ich wollte die Leute nicht beim Beten stören. Aber in den nächsten Tagen gibt es sicherlich noch genug Möglichkeiten dazu…

Direkt daneben war der “Kanchi-in” Tempel, der zwar nicht so beeindruckend von seinem Baustil her ist, aber neben einem typ. japanischen Garten kann man dort sehr alte und sehr schöne Wandzeichnungen sehen….

Der nächste Tempel war der “Bukko-ji” und da konnte ich auch das erste Mal einen Blick auf die Buddha-Statue werfen, die in diesem Fall zwar noch relativ klein war. Aber man braucht ja noch Steigerungspotential…

Das war dann für den ersten Tag mal genug an Tempeln und deshalb habe ich mir noch die Shopping-Straßen von Kyoto angesehen. Da gibt es den eher traditionellen Nishiki-Markt, wo man hauptsächlich Lebensmittel kaufen kann, was in Japan dann eben hauptsächlich Meeresfrüchte bedeutet und die eher modernen Shopping-Straßen “Kawaramachi” und “Teramachi”. Dort gibt es dann hauptsächlich Klamotten und anderen Krimskrams zu kaufen. Diese Einkaufsstraßen sind unglaublich groß und es gibt dort wahnsinnig viele Geschäfte.

Wie man in dem mittleren Bild sehen kann, ist es hier mit “social distancing” nicht weit her und insgesamt ist hier von Corona nicht viel zu merken.

Tag 2 : 31.12.20
Am zweiten Tag kam ich dann das erste Mal in den Genuß des exzellenten Nahverkehrs von Kyoto. Busse fahren alle paar Minuten und man steigt mit wenigen Ausnahmen hinten in den Bus ein und bezahlt dann erst beim Aussteigen seine 230Yen, egal wie weit man mit dem Bus gefahren ist. Man muss hier aber passend zahlen (man kann im Bus aber am Automaten Scheine in Münzen wechseln) oder zahlt gleich per Suica-Card.
Da zeigt sich mal wieder, dass wir da in Deutschland echt noch ein ganzes Stück von weg sind.

Der Tag startete dann mit dem Besuch des “Ginkaku-ji”, was zufälligerweise zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde, denn in der Nacht hatte es geschneit und es lag noch etwas Schnee auf den Bäumen und den Dächern des Tempels…

Ich hatte zwar erst kurz vorher gefrühstückt, aber da gab es am Ausgang direkt einen Stand mit Dango und da konnte ich nicht widerstehen…

Zweites Frühstück : Dango

Dabei handelt es sich um runde Teigkugeln, die aus sehr fein zermahlenem Reis gemacht werden und die mit Soja-Soße glaciert sind. Die Kugeln gibt es dann auch noch in einer größeren Variante als Mochi, die dann noch mit einer süßen roten Bohnenpaste gefüllt sind. Auch sehr lecker, aber dazu später mehr….

Frisch gestärkt ging es dann weiter zum “Nanzen-ji” Tempel. Neben dem sehr beeindruckenden Sammon-Tor aus dem Jahr 1628, durch das man die Anlage betritt, sieht man hier überraschenderweise auch einen alten Aquädukt aus Ziegelsteinen, der aber erst ca. 200 Jahre später entstanden ist. Wenn man dem Aquädukt folgt und einen kleinen Spaziergang macht, dann kommt man zu einem kleinen Wasserkraftwerk, von dem man sehr gut das leuchtend rote Torii des Heian-Schrein sieht.

Das rote Torii, das mit 25m echt riesig ist, war dann der nächste Stopp beim “Heian-ji” Schrein. Dort war zwar nicht viel los, aber es waren schon Absperrungsseile zu sehen, vermutlich als Vorbereitung für Neujahr, an dem die Japaner traditionell schon kurz nach Mitternacht zu den Schreinen gehen, um für ein gutes neues Jahr zu beten. Der zugehörige Park war aber dafür sehr schön, auch im Winter…

Nach einem anstrengenden Tag habe ich dann erst einmal in einem Onsen etwas entspannt und bin dann lecker Steak-Essen gegangen. Da in Kyoto an Silvester nicht viel los war und ich keine Lust hatte alleine in einer Bar bis zum Neuen Jahr zu warten, bin ich schon relativ früh ins Bett gegangen.

Tag 3 : 01.01.21
Am dritten Tag bin ich dann nach Arashiyama gefahren, das etwas außerhalb von Kyoto im Westen liegt. Dort habe ich mir dann erst einmal die aus vielen Filmen bekannte Brücke “Togetsu-kyo” angesehen. Ich dachte, das ist eine richtig alte Brücke, aber so kann man sich täuschen….

In der Realität ist es eine ganz normale Brücke, die asphaltiert ist und über die die Autos von einer Seite des Flusses zur anderen fahren. Und so ist die schöne Illusion dahin….

Aber es gibt in Arashiyama eine weitere sehr bekannte Stelle, die auf keinem ToDo-Zettel fehlen darf. Zumindest wenn man dem Internet glauben schenken will. Und zwar ist es der Bambuswald neben dem Tempel “Tenryu-ji”. Normalerweise ist da so viel los, dass man sehr früh aufstehen muss, um ein schönes Bild zu bekommen. In Corona-Zeiten ist das viel einfacher…..

Es gibt in Arashiyama noch ein viel bessere Stelle, um tolle Bilder im Bambuswald zu machen und wo dann wirklich absolut nix los ist. Nämlich neben dem Tempel “Adashino-Nenbutsu-ji”. Der scheint eher unbekannt zu sein, ist aber trotzdem sehr schön, nicht nur wegen dem Bambuswald.

Die ca. 8000 stilisierten Buddha-Statuen erinnern an die Toten, die früher hier bestattet wurden. Wobei bestatten eigentlich das falsche Wort dafür ist, denn früher wurden die Toten hier einfach Wind und Wetter überlassen….

Bevor es zum Highlight des Tages ging, habe ich mir auf dem Rückweg noch etwas die Stadt Arashiyama angesehen und man kann dort auch noch traditionelle Wohn- und Teehäuser finden.

Das Highlight war dann der Kinkaku-ji, der goldene Tempel. Leider hatte ich etwas Pech, denn zu der Zeit als ich dort war, schien leider keine Sonne, die sich sonst phantastisch in dem Gold des Tempels spiegelt. Kaum 5min später, als ich den Tempel schon verlassen hatte, kam die Sonne dann doch noch raus. Man kann eben nicht alles haben, aber die Bilder sind auch so toll geworden.

Hier habe ich dann auch 2 Gebetskerzen angezündet für Gesundheit und Schutz der Familie. Hilft bestimmt….

Und auch dieser Tag endete wieder mit einem Besuch in einem Onsen. Dieses Mal in einem eher traditionellen Onsen, in dem hauptsächlich Einheimische hingehen (“Funaoka-Onsen”). Außer mir war da auch kein Gaijin drin….

Tag 4 : 02.01.21
Der Tag wurde so richtig anstrengend, denn es ging gleich am Anfang zum Fushimi-Inari-Schrein. Der Schrein ist sehr bekannt, denn er befindet sich auf einem Berg und der Weg zum Schrein ist mit mehreren Tausend Torii gesäumt. Jedes dieser Torii steht für eine Spende an den Schrein und es ist noch Platz…. Ich weiß allerdings nicht, wie groß die Spende sein muss, um hier sein eigenes Torii zu bekommen. Das anstrengende an der Sache war, dass es neben den vielen Torii gefühlt ebenso viele Stufen gab. Und da haben sich teilweise auch richtig alte Leute hochgekämpft von denen ich nicht unbedingt erwartet hätte, das die das schaffen. Aber Hut ab….

Im Shintoismus gibt es viele Götter und böse Geister, sog. Kamis. Die beiden Füchse bewachen den Schrein und schützen ihn vor dem Eindringen der bösen Kamis…

Auf dem Weg zum Schrein gibt es aber nicht nur die vielen Torii zu sehen, sondern immer wieder auch Gedächtnisstellen für die Toten. Die Toten sind dort nicht begraben sondern sie dienen nur der Erinnerung.

Anschließend ging es weiter mit dem Zug nach Uji. Dort habe ich mir den Byoodoo-in angesehen.

Die Haupthalle des Tempels wird auch Phönix-Halle genannt, da der Tempel von oben wie ein Phönix mit ausgebreiteten Schwingen aussieht. Die Halle mit dem Buddha kann man auch besichtigen. Da ich aber noch nach Nara wollte und ich sowieso schon spät dran war, habe ich darauf verzichtet. Die Wandmalerei kann man leider nicht direkt im Tempel sehen sondern nur im angegliederten Museum, aber sie ist trotzdem schön.

Also weiter nach Nara…

Wenn man an den Ort Nara denkt, dann kommen einem gleich die berühmten Nara-Hirsche in den Sinn. Die Hirsche leben dort frei und kommen am Morgen aus dem Wald in die Stadt und lassen sich von den Touristen füttern, um dann am Abend wieder im Wald zu verschwinden. Vereinzelt war auch im Internet zu lesen, dass die Hirsche unter den mangelnden Touristen aufgrund der Coronakrise leiden, aber das ist natürlich völliger Quatsch, da die Hirsche auch ohne die Fütterungen durch die Touristen genug zu essen haben. Aber wenn man das so sieht, wähnt man sich kurzzeitig in einem Streichelzoo….
Für 200Yen kann man dann auch Futter für die Hirsche kaufen und ich dachte das wäre eine gute Idee und man könnte dabei bestimmt schöne Fotos machen. Ich lag sowas von falsch….
Sobald die Hirsche merken, dass man anfängt sie zu füttern, stürmen sie auf einen ein und wollen alle etwas haben und sind dann so gierig, dass sie dich in die Oberschenkel kneifen, um ja noch etwas abzubekommen. Und die Viecher sind nicht alle so klein und schnuckelig….

Aber ich war ja nicht nur wegen der Hirsche da….

Der “Kasuga-Taisha” Schrein ist für seine vielen Tauschend Laternen bekannt, die es dort sowohl aus Stein als auch als richtige Laternen gibt. Leider werden sie nur zweimal im Jahr angezündet. Ist bestimmt ein super Erlebnis.

Anschließend ging es zum “Todai-ji” Tempel. Die Haupthalle des Tempels ist das größte aus Holz gebaute Gebäude in Japan. Das Gebäude wurde in der Geschichte schon mehrfach zerstört (Erdbeben, Kriege,…) und war ursprünglich 5 mal so groß wie das aktuelle Gebäude.

Letzter Stopp in Nara war dann der Kofuku-ji mit seiner großen Pagode….

Tag 5 : 03.1.21
Und schon war auch schon wieder der letzte Tag meiner Kyoto-Reise angebrochen. Da ich aber erst am Abend zurück nach Yokohama fahren wollte, hatte ich noch den ganzen Tag Zeit, etwas zu unternehmen. Ein weiteres Highlight stand nämlich noch aus. Der Kiyomitsu-dera….

Hier habe ich auch mal wieder was an den Tempel gespendet, in der Hoffnung, dass es auch wirkt. Ich kann es glaube ich gebrauchen…

Ich habe nur die kleine Variante gekauft. ich hoffe mal, das hat keine Auswirkung auf die Wirksamkeit….

An dieser Stelle noch einmal kurz zurück zum Anfang, wo ich von den Dangos und den Mochi erzählt habe. Auf dem Weg durch die Stadt konnte ich nämlich kurz zuschauen, wie der Teig für die Mochi gemacht wird.

Und so sieht dann das Endprodukt aus und ist echt lecker :

Mochi (mit Matcha-Geschmack)

Es ging dann weiter zu einem etwas kleineren Schrein, dem “Yasui-Konpira-gu”. Aber manchmal sind die kleineren Tempel oder Schreine die interessanteren. Wenn man in einen Schrein geht, um dort zu beten, dann muss man vorher den Gott erst auf sich aufmerksam machen, damit er den Wunsch oder das Gebet auch hört. In den meisten Fällen wird das durch zweimaliges in die Händeklatschen gemacht. In diesem Schrein geht das allerdings etwas anderes. Dort gibt es einen großen Stein mit einem Loch darin, durch das man zweimal kriechen muss. Anschließend heftet man seinen vorher auf einen Zettel aufgeschriebenen Wunsch an den Stein. Da das ziemlich viele Japaner machen, sieht der Stein dann eben so aus :

“Yasui-Konpira-gu” Schrein

Danach bin ich noch etwas durch die Stadt gelaufen und zufälligerweise an einem sog. Love-Hotel vorbei gekommen. Da viele jap. Paare sehr kleine Wohnungen haben und auch oft noch mit den Eltern oder Großeltern zusammenwohnen, ist es mit der Zweisamkeit natürlich etwas schwierig. Und dafür gibt es dann eben die Love-Hotels. Etwas ganz normales in Japan…

Love Hotel

In der ganz rechten Spalte : 30min für knapp 4€… Aber da kommen vielleicht noch weiter Kosten dazu, so gut ist mein Japanisch noch nicht 😉

Irgendwie hatte ich dann genug von Tempeln und Schreinen und bin deshalb noch einmal in den “Funaoka-Onsen” gegangen. Der Plan war dann eigentlich, mir für die Rückfahrt mit dem Shinkansen eine Ekiben zu holen . Das sind Lunchboxen (jap. “Bento”), die man am Bahnhof (jap. “Eki”) kaufen kann (gibt zusammengesetzt dann eben “Ekiben”). Und da gibt es echt ganz leckere Sachen und sieht dann z.B. so aus

Da es aber nach dem Onsen-Besuch immer noch fast 3h bis zur Abfahrt meines Shinkansen waren, hatte ich mich dann doch dazu entschlossen, in ein Restaurant bzw. eine Bar zu gehen, um noch ein paar Bierchen zu trinken und dort eine Kleinigkeit zu essen.

Und somit bin ich am Ende meiner ersten und sicherlich nicht letzten Reise nach Kyoto…..

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